Als Halterin eines an Epilepsie erkrankten Hundes werde ich häufig von anderen Hundehaltern auf diese Erkrankung angesprochen.Über dieses Thema ist im Web genügend nachzulesen. Ich selbst finde die " Epilepsie Fibel für Hundehalter" von Frau Prof. Dr. Schwartz-Porsche (findet man im Internet und kann man sich auch ausdrucken) sehr gut um sich einen Überblick zu verschaffen.
Es gibt jede Menge Ursachen für eine Epilepsie Erkrankung. Von angeborenen Formen über Folgen von Schädeltraumen (Schlag auf den Kopf / Unfall) bis zu Hirntumoren oder anderen organischen Ursachen.
Eines bleibt gleich, nämlich die Therapie. Und da bekomme ich manchmal Zustände wenn ich die Ängste, Vorurteile und Unwissenheit der Hundehalter und manchmal auch ihrer Tierärzte zu hören bekomme. Da werden Hunde aus Angst vor Medikamenten gar nicht oder zu niedrig Dosiert eingestellt, da werden keine ausreichenden Kontrollen durch Blutentnahmen gemacht. Da werde Medikamente abgesetzt und durch Globuli ersetzt.Die Tabletten werden vergessen oder unregelmäßig gegeben.Es fehlt an Information und Interesse, Fragen werden nicht gestellt. Ich glaube das der meiste Mist von den Besitzern und nicht von den Tierärzten gemacht wird, "das erzählte Wort" ist ja nie wirklich nachvollziehbar.
Also:Epilepsie ist eine Krankheit. Epilepsie ist nicht heilbar. Man wird epileptische Anfälle weder mit einem Futterwechsel noch mit einer Bachblütentherapie einstellen können.
Ich möchte ein paar Empfehlungen aufzeigen und mit einigen Vorurteilen aufräumen:
-Lass dein Tier dort behandeln wo man sich mit Epilepsie Therapie auskennt und diese häufig durchführt.Es gibt auch im Saarland sehr kompetente Tierärzte hierfür.
-Keine Angst vor Medikamenten- eine nicht oder schlecht eingestellte Epilepsie kann unter Umständen zu Serienanfällen (status epileptikus) führen und dein Hund kann sich laienhaft ausgedrückt "zu Tode krampfen".

Die anfängliche Müdigkeit und Antriebsarmut der Hunde bei Therapiebeginn verliert sich nach einigen Wochen. Lass deinen Hund in dieser Zeit lieber an einer Schleppleine und pass auf das er beim Springen nicht stürzt oder auf der Treppe stolpert.Später merkt man gar nichts mehr.
- Nebenwirkungen: Was glaubt ihr wieviele Menschen von Kindesbeinen an Medikamente gegen Epilepsie einnehmen und damit Alt werden. Und die Leber eines Hundes hält eher mehr aus. Ich würde ggf. erhöhte Leberwerte und eine eventuell etwas kürzere Lebensspanne meines Hundes für ein Anfallsfreies oder Anfallsarmes Leben gerne in kauf nehmen.
-Führe ein Anfallstagebuch mit Datum, Uhrzeit, Umständen und Wichtig : Dauer der Anfälle d.h.schau auf die Uhr wenn dein Hund zu Krampfen beginnt. Oft kommt einem der Anfall wie 10 min vor und es waren nur 65 Sekunden.Es sind wichtige Informationen für deinen Tierarzt.
- Gib die Medikamente konsequent pünktlich immer zur selben Zeit damit der Wirkstoffspiegel im Blut nicht schwankt,Hunde haben einen bedeutend schnelleren Stoffwechsel als wir Menschen. Dies ist mit am allerwichtigsten für eine gleichmäßige Wirkstoffgabe. Wir haben uns anfangs von Tablettengabe zu Tablettengabe einen Wecker gestellt bis alle in der Familie es geschnallt hatten.
- Verzichte auf häufige Futterwechsel oder unregelmäßige Fütterungszeiten
- Epilepsie Therapie und Überwachung gehört in die Hände eines kompetenten Tierarzt
- Setze niemals die Medikamente ab auch wenn der Hund keine Anfälle mehr hat.Das plötzliche Absetzen der Medikamente führt zu heftigen Entzugsanfällen.Desshalb solltest du früh zum Tierarzt gehen wenn ein Hund Durchfall oder Erbrechen hat weil er dann seine Medikamente nicht ausreichend über den Magen ins Blut aufnehmen kann.
-Epilepsie ist nicht heilbar man kann nur die Anfälle reduzieren oder unterdrücken.
- Vermeide Stress, Überforderung und Schlafmangel (Vorsicht im Urlaub, dein Hund pennt zu Hause vorneweg 16 Stunden).
-Vermeide Stress durch Unterforderung, z.B. zu wenig Bewegung bei aktiven Hunden
- Hunde können sich beim Anfall verletzen durch Sturz, Knochen können bei heftigsten Anfällen brechen und Hunde können nach dem Anfall verwirrt und durcheinander sein.Ich habe meinen Hund zu beginn des Anfalls immer gleich angeleint, damit er danach nicht verwirrt entlaufen konnte. Vorsicht am Fang : der Hund in der Ausnahmesituation kann auch unbeabsichtig beißen. Ruhe bewahren.
-Dem Rüden nimmt es viel Stress wenn er kastriert ist ( auch hormonellen Stress) wenn Hündinen läufig sind.
Mein Hund ist seit seinem 16. Lebensmonat mit den Medikamenten Phenobarbital und Kaliumbromid eingestellt. Er hatte 3 heftige Anfälle pro Woche. Mit steigendem Wirkstoffspiegel im Blut ( hat ca 5 Monate gedauert) wurden die Anfälle weniger und haben dann ganz aufgehört. Alle 6 Monate bekommt er per Blutentnahme die Höhe des Medikamentes im Blut bestimmt.Manchmal muß man die Dosierung etwas erhöhen. Der Hund Franz ist jetzt schon 4,5 Jahre, geht ab wie eine Rakete und seit 2007 Anfallsfrei. Er ist ein überaus temperamentvoller Hund der im Hundesport alles leistet was andere auch können(Suchen, Unterordnung,Apportieren) nur auf Leistungsprüfungen am Fahrrad habe ich sicherheitshalber verzichtet. Die Medikamentengabe in Wurst, Käse oder Kindermilchschnitte gestaltet sich beim Hund eher unproblematisch.
Also keine Angst vor Pillen.
Grüße Waldhexe.